
Die Bude im Kreuzberger Hinterhaus war dunkel und feucht, so mit Pilzen
an der Wand. Meine Eltern besaßen viele Bücher, aber dafür nur
einen Schwarzweißfernseher mit Antennenempfang. Dieser Mangel
zog mich auf dem Schulhof in die unterste Kaste, weil ich die wahre
Streetknowledge, He-Man und Hulk Hogan, garnicht kannte... Zum Glück
lernte ich einen Jungen in meiner Straße kennen, dessen Mutter
heroinabhängig war und den ganzen Tag in ihrem Zimmer abhing. Die hatten
immer Milchschnitten und River Cola im Kühlschrank, Kabelfernsehen und
einen Super Nintendo auf dem man Street Fighter 2 spielen konnte. In
der Schule fiel immer viel aus, so dass ich nach den Fächern "freies
Arbeiten" und "Spielstunde" genug Zeit hatte mit dem
beim "freien Arbeiten" gebastelten Tschaki kleinen, niedlichen
Spatzen ihre Scheißfüßchen zu zerschießen. Das hätte
alles so weiter gehen können, doch meine Eltern hatten, wie gesagt,
viele Bücher. Also verließ ich die Schule, auf der die weisen,
vorrausblickenden Lehrer mir in der 2. Klasse schon sagen konnten, dass
ich es niemals bis zum Gymnasium schaffen würde. Die neue Schule war
nicht ghetto. Der Struggle bestand hier aus ausgelacht werden für die
zu billige Kleidung oder für das mit-der-Bahn-nach-Hause-Fahren, He-Man
und Hulk Hogan kannten die da gar nicht. In der Oberstufe entdeckte
ich, wie schwanzfixiert mein Umfeld war und ließ meinen Schwanz
immer häufiger einfach mal diskret raushängen, woraufhin ich das bekam,
was mir bis dahin immer gefehlt hatte. Bewunderung und Aufmerksamkeit.
Auf die Fresse hatte ich schon vorher gekriegt. Ich hatte ab jetzt ziemlich
viele Freunde und darunter auch einen richtigen: MTK. Mit ihm fing ich
an zu rappen. Er schlug mir beim Einsingen mit einem Kochlöffel den
Takt auf den Kopf... Im Laufe der Jahre wurde das Ganze ziemlich groß
und hieß K.I.Z. Haben sich 2 Sprüher von uns ausgedacht, die fanden,
dass die "Buchstaben so aggressiv klingen".